Freiraumgestaltung: städtebauliches Pendant zur Architektur

Wie geht man vor, wenn man den Freiraum auf einem bestehenden Areal neu konzipiert? Im Interview erläutern Ona Lia Bischoff und Tino Buchs von bbz landschaftsarchitekten ihren Ansatz.

Mit welcher Leitidee arbeitet ihr für die Freiraumgestaltung auf dem Areal Braui Worb?

bbz: Wir betrachten den Freiraum als Raum, wo man sich begegnet und wo das Leben stattfindet. Der Freiraum soll einer der Lebensmittelpunkte der Menschen sein, die künftig auf dem Areal Braui Worb wohnen werden. In unserem Konzept greifen zwei Bereiche ineinander. Neben dem Lädeli entsteht der Quartierplatz, wo die öffentlichen Nutzungen stattfinden. Der Bereich mit den neuen Wohnbauten ist grüner, hat mehr Gärten und die Erdgeschosszone ist privater.

Was ist euch dabei besonders wichtig?

Im Rahmen des dreiteiligen Workshopverfahrens haben wir die prägenden Elemente herausgearbeitet. Zusammen bilden sie die Qualität des Freiraums. Dazu gehört neben dem Wasser, welches wir offen durchs Areal führen, in einem Brunnen auf dem Quartierplatz fassen und am tiefsten Punkt versickern lassen möchten, auch die Begrünung. Die Räume zwischen den Wohnbauten werden sehr grün sein und Möglichkeiten bieten, um zu gärtnern, zu spielen und zu entdecken. Es ist uns wichtig, das Areal in eine zukunftsfähige, resiliente Richtung zu leiten. Der grösste Teil der Flächen ist unversiegelt und trägt zu so zu einem weniger heissen und angenehmeren Raumgefühl bei. Das Wasser der Quelle wird erlebbar und kühlt die Räume. Viele neue Bäume spenden Schatten, biodiverse und naturnahe Wiesen- und Staudenflächen tragen zur Artenvielfalt bei. Auf der Hofseite arbeiten wir mit Einzelbäumen und verzichten bewusst auf eine Begrünung am Boden mit Sträuchern und Stauden. Stattdessen überspannt ein grüner Baldachin diesen Bereich. Der Gewerbehof soll erkennbar bleiben, mit seinem etwas raueren Charakter.

Wie geht ihr mit den bestehenden Gebäuden um, die ja grösstenteils erhalten bleiben?

Das Projekt, welches wir mit Brügger Architekten entwickelt haben, geht sehr sorgfältig mit dem Bestehenden um. Was für die Bauten Sinn macht, weil durch deren Erhalt nicht graue Energie vernichtet wird, gilt auch für den Freiraum: Viele bestehende Qualitäten können mit der neuen Nutzung erhalten bleiben und tragen so substanziell dazu bei, dass die Identität des Areals erhalten bleibt. Die Braui lebt, dazu trägt auch das Zwickeln auf der Rampe bei. Die Hofsituation ist schon heute sehr schön, sie soll bewahrt werden. Auch das Gefühl, das man hat, wenn man durch die Gassen geht, wollen wir mit der Freiraumgestaltung unterstützen. Es ist etwas verwinkelt, es wird enger und wieder offener, man entdeckt immer neue Wege.

Wie erreicht man es, dass ein Areal lebt?

Dafür braucht es eine gute Durchwegung, welche die Verbindung mit der Nachbarschaft sicherstellt. Menschen finden auf das Areal und ein lebendiges Quartier entsteht. Man soll vom Altersheim Flora durch das Areal Braui Worb zum Bahnhof gehen können. Aber ein Freiraum alleine sorgt noch nicht für Leben. Es braucht die dafür richtige Erdgeschossnutzung. Diese Balance zu entwickeln ist unser Ziel im Projektteam. Deshalb schätzen wir die städtebauliche Auseinandersetzung und Zusammenarbeit mit der Bauherrin und Brügger Architekten sehr.  Der Freiraum ist darauf angewiesen, dass man ihn braucht und durchquert. Freiraum und Architektur bedingen sich gegenseitig.